5. September 2012

Gustav Mahler. Zwei Jubiläumsjahre

Der folgende Text wurde zuerst für den "Weser Kurier" 2011 geschrieben.
Das Mahler-Jahr hat erstaunlich wenig substanziell Neues an den Tag gebracht. Die Last der Vergangenheit zeigt sich als Besessenheit von zwei Aporien. Ist er ein Künstler des Fortschritts? Ist Mahler, ist seine Musik jüdisch? Feuilletons, Bücher, Tagungen widmen sich weiterhin diesem Themenkreis, weniger der Vermittlung seiner Musik. Während Events drohen, die Botschaft seiner Musik zu untergraben, beschäftigen sich die Schreibenden mit Themen von anni passati.
Was steckt dahinter? In fast allen Publikationen der Jubiläumsjahre 2010-2011 wird Adornos Mahler-Buch (1960) als „die“ Quelle der sogenannten Mahler-Renaissance oder zumindest als eine der wichtigsten Voraussetzungen benannt. Das ist apologetisch und nur für seine Schüler wie Adepten nachvollziehbar.
Adornos Mahler ist ein ideologisches Produkt. Adorno schätzte an ihm „die musikalisch immanente Negativität“, deutete „die sozialistische Neigung“, „das Proletariat“, „Pogrome“ hinein. Positive, lebensbejahende Werke erklärte Adorno für gescheitert. Die Siebte Symphonie? – Da sah Adorno „jenes ominös Positive, das freilich das Finale ruiniert“, „ein ohnmächtiges Missverhältnis“. Überhaupt – „Das reaktionäre Moment von Mahlers Musik ist ihr Naives“. Dass der Komponist mit jeder seiner Symphonien „eine neue Welt aufbauen“ wollte, sei ebenfalls „naiv“. Die Fünfte? „Buntes Getümmel“ im Finale. Nur kurz erwähnte Adorno abwertend Mahlers „vergebliche Jubelsätze“, „seine subjektive Unfähigkeit zum happy end“. Spätestens Klaus Tennstedt und Riccardo Chailly bewiesen erfolgreich das Gegenteil. Jens Malte Fischers Buch (2003) folgt aber auch in der verarbeiteten Fassung (2010) diesem Verdikt Adornos.
Wenn die anderen über die Musik Mahlers als „Abbild seiner Seele“ schreiben, dann ist das für Adorno „Geschwätz“. Nein, „in Mahler dröhnt ein Kollektives, die Bewegung der Massen“. Nach Adorno „sympathisiert Mahlers Musik mit den Asozialen“. Oder: „Mahlers Musik ist Traum des Individuums vom unaufhaltsamen Kollektiv“. In der Sechsten Symphonie geht es darum, „dass der Jude Mahler den Faschismus um Dezennien vorauswitterte“. Typisch: Um zu belegen, dass bei Mahler das Plebejische, das Untere, das Niedrige seinen gebührenden Platz findet, erzählt Adorno: „Die erste Niederschrift des Themas „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“ aus der Achten Symphonie steht auf einem Stück Klosettpapier“. Adorno geht noch weiter: „Auf Mahler allein passte das Wort sozialistischer Realismus… Häufig klingen die russischen Komponisten der Jahre um 1960 wie ein verschandelter Mahler“. Das bezieht sich offensichtlich auf Schostakowitsch, den weltweit größten Nachfolger Mahlers! Die Achte? „Degeneriert“, wie all „die ritualen Kunstwerke im Spätkapitalismus“. „Die Achte, wie schon das Finale der Siebenten, (sei) Identifikation mit dem Angreifer. Sie flüchtet zur Macht und Herrlichkeit dessen, wovor sie sich fürchtet“. Mit Leichtigkeit geht Adorno solch ein Lapsus von der Feder wie „das Grelle, zuweilen Näselnde, Gestikulierende und durcheinander Redende macht genau, ohne Beschönigung jenes Jüdische zur eigenen Sache, das den Sadismus reizt“.
Die wenigsten haben dieses Buch freiwillig gelesen. Im teilweise konfusen, sich dauernd widersprechenden Text ging es Adorno, wie immer, wenn er über die Musik schrieb, um manifeste Propaganda der Neuen Wiener Schule. Auch Mahler sollte die Vorstufe zu Schönberg werden, genauso wie Strawinsky in der „Philosophie der Neuen Musik“ darin untergehen sollte. Adorno machte aus Mahler einen Vorausahner. Gewiss, kann ein jeder aus einer Musik alles möglich heraushören. Als Richard Strauss dem Orchester die Dritte Mahlers vermittelte, erzählte er den Musikern von seiner Vorstellung „unübersehbarer Arbeiterbataillone, die zur Maifeier in den Prater ziehen.“ Nach Mahler hätte aber von dem gewaltsamen Frühlingsaufmarsch als dionysische Naturerscheinung die Rede sein müssen. Trotzdem wichtig ist es, dass Strauss nur von seiner Vorstellung redet. Adorno dagegen postuliert, die Musik der Fünften, Sechsten, Siebten Symphonie selbst spräche von Pogromen, Auschwitz, Gräueltaten der Nazizeit. So führt er Mahler unmittelbar zu Schönbergs „Survivor from Warsaw“ hin, fern jeglicher Argumentation, historischer und biografischer Gründe, nur weil er, Adorno, so denkt. Seitdem geistert diese Deutung durch die deutschsprachige Literatur.
Es wird nicht nur übernommen und immer wieder zitiert, es wird so gehört und verstanden. Denn ein Adorno kann sich nicht geirrt haben. Ein frisches Beispiel findet sich im neuesten Deutungsbuch von Wolfgang Kretschmer (2010): Neben Zitaten aus Adorno erzählt der sympathisch unbefangene Autor von seinen eigenen Erlebnissen aus der Hitlerjugend als Hintergrund für seine Übereinstimmung mit Adorno. Was 1960 noch verständlich war, als Stimme der Nachkriegsgeneration, wirkt 2010 seltsam befangen und vereinnahmend. Für Kretschmer hat Mahlers Musik „stets etwas von Morbidität“, das sind „Märsche von Schreck und Schock“. Die Erste Symphonie endet „in einem Akt zerrissener Verzweiflung“, als ein „oben gestelzter, sich prostituierender Triumph“. In der Siebten Symphonie hört er „ein fratzenhaftes Abbild der Ankündigungsmusik jener späteren Kriegssondermeldungen des Reichsrundfunkes“. Sie „endet mit einer wilden Pogrom-Musik“. Dass die vorhandenen Aufnahmen das widerlegen, will Kretschmer auf Anfrage hin nicht als Argument gelten lassen.
Aus heutiger Sicht riss Adorno die Trauermärsche Mahlers aus ihrem Kontext heraus und deutete sie zur bösen Vorausahnung um. Bei Mahler selbst sind sie aber ein Tribut an die spätromantische Idee der Regeneration: Man wird anders, verabschiedet sich von sich selbst, dem Früheren. Von den elf Symphonien endet eine einzige, die Sechste, mit dem Tod des Romanhelden. Die Vierte schafft es, uns als Kinder oder als mit Kindern Mitleidende ins Paradies zu bringen. Die drei letzten Werke besingen den Abschied vom Leben und bestehen darauf, dass das Leben weiter geht. Wie in jedem guten Roman gibt es bei Mahler Strecken, wo das Böse herrscht. Das kennt man spätestens seit Dickens viel zu gut. Nur dauert die Lektüre eines dicken Dickens-Romans einige Tage. Eine Symphonie Mahlers erstreckt sich über anderthalb Stunden, bei ähnlicher inhaltlicher Dichte der Ereignisse und Emotionen. Das Gute und das Böse sind bei Mahler sehr persönlich gefärbt, sie kommen auch außerordentlich persönlich an, bei jedem anders.
Adorno beklagte die Ferne Mahlers von der Arbeiterbewegung und dichtete ihm trotzdem eine besondere Bedeutung für die Linke an. Auch dies geht ununterbrochen weiter, zuletzt im von der Kommunistischen Partei Österreichs angekündigten Vortrag Gerhard Scheits „Pogrommusik“ (2011). Darin wird „das revolutionäre Potenzial“ Mahlers angesprochen und wie seine Musik gegen die Kulturindustrie wohl kämpfte. Und immer wieder Pogrommusik. Scheits Argumentation ist wie Prokrustes Bett: April 1903 brach das erste Pogrom der Neuesten Zeit im zaristischen Russland aus, Mahler schrieb seine Fünfte 1903 (in Wahrheit war sie schon im Juli 1902 vollendet).
Antisemiten haben Mahler von Anfang an vorgeworfen, Jude zu sein. Seine Persönlichkeit wie seine Musik – alles war ihnen jüdisch und verhasst. Max Brod, der große Kafka-Freund und Autor der heute noch inspirierenden Heine-Biographie, sah in Mahler dagegen den „größten jüdischen Genie der Neuzeit“. Die heutige deutschsprachige Mahlerforschung verteidigt den Komponisten gerne vor Antisemiten, indem sie ihm das Jüdische total abspricht. Das brisanteste Beispiel betrifft den sarkastischen Trauermarsch aus der Ersten Symphonie. Hans Heinrich Eggebrecht (1982) hat Vladimir Karbusicky (1978) zu Rate gezogen, um böhmische Hintergründe der Tanzweisen nachzuweisen. Eggebrecht tat Brods Hörerfahrungen ausdrücklich als „höchst fragwürdig“ ab, „zumal Mahler derartiges wohl nie gehört hat“. Die spätere Literatur bleibt dabei. Sogar Jens Malte Fischer kennt nichts anderes. Karbusicky begründete aber 1999 ausdrücklich, dass darin jüdische Melodien und gar Spiel- und Singweise eindeutig verwendet wurden. Eggebrecht konnte sich damit nicht auseinandersetzen, da er 1999 starb. Inzwischen wurde er aber posthum 2009 beschuldigt, sein Leben lang über seine Beteiligung an der Ermordung von Juden bei Odessa 1941 geschwiegen zu haben. Die Frage nach der Relevanz dieser „grassierenden“ oder besser gesagt „grässlichen“ Nachricht für die Bewertung des wohl anerkanntesten deutschen Mahler-Buchs der Nachkriegszeit wurde im Jubiläumsjahr nicht erörtert. Mahler wird in Deutschland hiermit weiterhin nach den Ausführungen eines ehemaligen Feldgendarmen verstanden, der Mahler unterstellte, nie die Synagoge besucht, nie jüdische Melodien gehört zu haben. Der Karbusicky-Artikel wird bis heute übereinstimmend ignoriert. Erst als dieser Artikel 2005 ins Englische übersetzt wurde, kam eine überhebliche Reaktion: Daniel Jütte (2009) hält seine Argumentation für „wenig überzeugend“ und bedauert, „wie sehr die wechselvolle Rezeptionsgeschichte Mahlers offenkundig einen nüchternen (und in den meisten Fällen ernüchternden) Blick in Mahlersche Partituren erschwert“. Unterdessen bleibt Karbusickys Argumentation unangefochten: Der künftige Komponist wuchs im böhmisch-jüdischen Milieu auf, er nahm, bis er 15 Jahre alt wurde, alle Klänge seiner Umgebung auf, das heißt auch tschechische und jüdische Weisen aller Art und verarbeitete sie, wie auch all das, was ihn später umgab, in seiner Musik. Sie ist keinesfalls ausschließlich jüdisch, sie spiegelt die bunt gemischte Situation der k.u.k-Welt. Mahler war kein jüdischer Komponist, er verwendete aber sehr wohl Elemente der jüdischen Musik.
Von der Ersten Symphonie gibt es mehr als 130 Aufnahmen, jeder kann sich leicht eine eigene Meinung bilden. Darunter findet sich allerlei. Bei Leonard Bernstein eine jiddische Deutung, bei Rafael Kubelik eine tschechische, bei Dennis Zsoltay gar eine ungarische, alles überzeugend und idiomatisch erkennbar. Wenn Carlo Maria Giulini oder Jascha Horenstein daraus allerdings eine hohe Tragikomödie ableiten und weniger national färben, um sich um so mehr dem gemeinten Inhalt anzunähern, ist das noch beeindruckender: Es wird hier nun einmal die Begegnung eines sehr jungen Menschen mit der harten und brutalen Realität geschildert, mit der verlogenen Welt der Erwachsenen, wo überraschenderweise auch geheuchelt wird. Es ist ja ein musikalischer Roman, es wird eine Geschichte erzählt. Zwei Andeutungen, die Mahler selbst vorgeschlagen hat, passen hier immer noch: Nämlich, die Waldestiere begraben den Jäger und können dabei kaum ihre heimliche Freude verstecken. Oder: Während der Begräbnis-Prozession, begleitet durch einen Trauermarsch, begegnet man einer anderen Kapelle, die Tanzmusik aufspielt. Das wie auch immer geartete Böhmisch-Jüdische verwendet Mahler hier zum Zweck der hohen Parodie und nicht, um sich als national gefärbten Komponisten erkennen zu geben. Dieses Material wird dabei weder heruntergemacht noch aufgewertet, es ist Mittel zum Zweck. Der Antisemit verkennt das genauso wie der Philosemit. Wenn das dann auch noch die nüchterne Musikwissenschaft auffallend dauerhaft ignoriert, zeigt dies auf ernüchternde Weise deren Zustände. Zum Vergleich: Wenn Berlioz am Ende der „Symphonie fantastique“ seine Angebetete zur widerlichen Hexe verwandelt, kommt nicht einmal irgendeiner hartgesottenen feministischen Forscherin in den Sinn, dahinter eine frauenfeindliche Aussage zu wittern. Es ist klar, dass es sich um romantische (Selbst)Ironie handelt. Genauso bei Mahler.
Das Jüdische wird also ausgeklammert, nicht einmal erwähnt, und wenn, dann nur verneinend. So geht das weiter: Weder im Konzertführer von Mathias Hansen (1996) noch im Mahler-Handbuch von Bernd Sponheuer und Wolfram Steinbeck (2009) findet sich auch nur ein Wort über die jüdische Konnotation. Wenn Karbusicky zitiert wird, dann nur aus dem Buch von 1978, genau wie es Eggebrecht vorgelebt hat. Da sich Jens Malte Fischer auf Adorno, Eggebrecht und Hansen bezieht, bleibt es auch bei ihm ähnlich, auch wenn er dem Thema eigens ein großes Kapitel widmet. Den Artikel von Karbusicky erwähnt auch er nicht.
So bleibt ein großer Riss zwischen der Mahler-Literatur des Jubiläumsjahrs und der Rezeption durch das Publikum. Durch die Möglichkeit, eine Schallplatte und später Kompaktdisk zu Hause anzuhören, entstand die raumakustische Nähe zu dieser Musik, wie es zu keiner anderen davor möglich war und wie es keine andere so einfordert. Zu Hause kann man sich die passende Aufnahme aussuchen und daraus die eigene Lesart des musikalischen Romans ableiten, sich mit dem Helden identifizieren, sich bemitleiden, wiederauferstehen, mit der ewigen Erde eins werden. Mahler spiegelt unsere Menschlichkeit. Seine Musik ist als Projektionsfläche dafür wie geschaffen. Wollen wir dieselbe Musik auch anders wahrnehmen? Das dürfen wir.

Ein nicht gedruckter Leserbrief

Am 20.3.2011 ging der Brief an den "Weser Kurier":
In einer Buchvorstellung ordnet Alexandra Albrecht die Dirigenten Furtwängler und Karajan den Filmemachern Harlan und Riefenstahl zu. In ihren Worten: "Es ist immer der gleiche Typus, der nie Verantwortung übernommen hat". Einen Satz davor schreibt sie über Harlan, dass dieser "gar kein Bewußstsein für die eigene Schuld" entwickeln konnte. Ich möchte in diesem Zusammenhang richtigstellen, dass Karajan sehr wohl seine Mitgliedschaft in der Reichsmusikkammer später bedauerte. Zwar nur in überlieferten persönlichen Gesprächen und nicht in Bezug auf seine NSDAP-Mitgliedschaft, aber immerhin. Der eigenwillige Furtwängler erlaubte sich viel mehr, er verteidigte die künstlerische Freiheit (der Fall Hindemith und die personelle Politik sowohl in Bayreuth als auch bei den Berliner Philharmonikern) gegen Goebbels und Konsorten. Seine Zerrisenheit steht im krassen Gegensatz zu Harlan und Riefenstahl, die das Hitler-Regime mit ihrer "Kunst" förderten. Furtwängler verkörperte in den Augen seines Publikums in Nazi-Deutschland die letzte und beinahe einzige Bastion der Treue zu den alten humanistischen Idealen, geschunden und selbstverraten. Das erlaubt nicht, ihn in einem Atemzug mit Harlan und Riefenstahl zu erwähnen. Und noch ein Wort zu dem Begriff "Schuld". Wann lernen wir aus den Lebensgeschichten der großen Künstler und beziehen uns endlich auf unsere Gegenwart, anstatt zwischen Martin Walsers und Daniel Goldhagens überdimensionaler Entschuldigung/Beschuldigung der Vorgenerationen zu pendeln? Wann schweigen wir heute - wann melden wir uns unangepasst zu Wort?

23. Mai 2011

Wie in den alten Zeiten

Am 21. Mai 2011 gastierte Lorin Maazel in Bremen. Ein Ereignis. Ein Artikel für den Weser Kurier:

Während die anderen 9-jährigen Buben im Sandkasten spielten, dirigierte Lorin, das Wunderkind. Während sich andere 81-jährige Greise im Altersheim langsam vergessen, dirigiert Maazel immer noch. Und wie!

Im Violinkonzert Mendelssohns legte er der Geigerin Arabella Steinbacher einen wunderbaren Klangteppich aus, sie konnte ihren vollen, gut ausgeglichenen Ton in perfekter Virtuosität präsentieren, andererseits blieb ihr wohl nicht viel Selbständigkeit: Maazel herrschte und bestimmte. Nur in der Solokadenz war Steinbacher gestalterisch frei, überzeugend und mitreißend. Ganz in diesem Sinne wurde der zweite Satz des Konzertes der beste, da hier eine echte Balance zwischen Orchester und Solistin, zwischen dem gelebten, gefüllten und gefühlten Takt und der Fortbewegung der fließenden Motive gefunden wurde. Eine stilechte, keinesfalls überromantische, in keinster Weise trockene Darbietung.

Für Mahlers Erste Symphonie braucht man nicht wenig – einen inspirierenden Dirigenten und ein Orchester, das sich inspirieren lässt. Maazel und das Philharmonia Orchestra London bilden eine glückliche, seltene Symbiose darin. Kaum zu glauben, aber der Orchesterklang breitete sich in der Glocke vollkommen aus, war auf einmal farbenreich, detailliert, intensiv (insbesondere bei den Cellisten). Gewohnt an die in Watte gepackte saubere handwerkliche Leistung des heimischen Klangkörpers, der wie seit neuem bekannt, in Sachen Mahler seit den 20-ern ganz vorne und allen voraus ist, konnte man hier echte Kunst atmen, miterleben und bestaunen.

Maazel verstand Mahler nie hermeneutisch, er erzählt auch hier keine Geschichte über einen jungen Menschen, der ins Leben eintritt und erwachsen wird. Vielmehr erklingt eine überaus faszinierende Klangwelt, gesättigt mit phosphoreszierenden Farben, pulsierenden Bewegungsabläufen. Wo bei den anderen Orchestern das Langsamer-und-Schneller-Werden zur schwer zu ertragenden Routine verkommt und als Tradition ausgegeben wird, kam es zu einer gut eingeübten aber lebendigen Gestaltung, zu dem, was Musizieren ausmacht.

Seit Jahrzehnten pflegt Maazel seine Lesart Mahlerscher Partituren. Er weiß für jeden auch kleinsten Abschnitt und Gedanken sein Tempo, seine Zeichnung ist ziemlich festgelegt, nicht unbedingt immer genau nach der Partitur, aber ganz im Geiste Mahlers. Die Logik ist einfach: Langsamere und schnellere Episoden suggerieren in ihrer raschen Folge das Tempo rubato und werden buchstabierend klar strukturiert, dem Orchester aufs deutlichste gezeigt, obwohl die Intention des Dirigenten den Musikern nach zahlreichen Proben und Konzerten bekannt sein sollte (insgesamt sieben Wochen europaweit, später auch weltweit). Mit den Wiener und New Yorker Philharmonikern ging das daneben, das Resultat war zu wenig emotional und zu strukturalistisch. Mit dem Orchester des Bayerischen Rundfunks in den 90-ern und jetzt mit dem Londoner Philharmonia Orchestra ist Maazel erfolgreich: Man sieht, man hört die Harmonie zwischen dem Dirigenten und dem Orchester, die unabdingbar für Mahler ist. So entstand zum Beispiel im Trio des zweiten Satzes ein echter Wiener Walzer, atemberaubend frei und absolut überzeugend. Die wichtigsten Effekte im Finalsatz (langgezogene Auftakte und Atempausen) sind auch längst bekannt und wirken trotzdem immer wieder aufs Neue. Die Musiker sind bis in die letzten Pulte voll dabei und bereit, sich dem auswendig dirigierenden Maestro anzuvertrauen. Sie fühlen sich gut aufgehoben in den Händen des grimmigen Tyrannen. Fazit: Für das Bremer Publikum dürfte dieser Abend als das Konzert des Jahres gelten!

2. Mai 2011

Was Bremen braucht

Heute brachte "Weser Kurier" meine Meinung zum Thema "Was Bremen braucht", zumindest so lautete die Anfrage der Redaktion:

Die Stadt Bremen befindet sich in der Schuldenfalle. Es muss eine Lösung her, um die Stadt aus der Verschuldung zu bringen, und zwar nicht durch das langsame Sterben auf dem Wege der Kürzungen, sondern mit einem kraftvollen Zerschneiden des Gordischen Knotens.

Der Medienlandschaft bleibt im Interesse einer lebendigen Demokratie der Stadt zu wünschen, das Format einer Pro&Contra-Diskussion im - bisher alternativlosen - Weser-Kurier zu entdecken. Die bürgerliche Bloggerszene könnte sich auch mehr entwickeln, damit eine Gegenüberstellung von Meinungen nicht ausschließlich in Leserbriefen stattfindet.

In der Bremer Bildungspolitik sollte das Rad nicht immer neu erfunden werden: Jeder nächste Senator entdeckt Amerika, und zwar jedes Mal anderswo! Warum liegt die Schulqualität in Bayern viermal höher, Bildungsarmut in Baden-Württemberg zweimal niedriger? Kann man bei den Nachbarn vielleicht lernen?

Was die langfristige „Multikultipolitik“ anbetrifft (auch wenn sie von höchster Stelle für tot erklärt wurde), fehlt es an durchdachten Analysen und deren Umsetzung in der Gesellschaft durch kluge Vorbilder (von oben nach unten durch alle Etagen), die zeigen, wie man Menschen zusammenbringt. Die meisten Bremer leben gern bunt und tolerant. Wenn es aber ungemütlich wird, wenn ethnisch bedingt mentale und reale Konflikte entstehen, tut man immer überrascht, als habe es keine Warnzeichen gegeben. Ich wünschte uns, anstatt unseligen Anti-Sarrazin- oder Panikmacher-Debatten, anstatt der Verfeindungen beim Guttenberg-Skandal, anstatt der Hysterie des Atomkraftverzichts, kurzum anstatt allem, was das Gefühl „Wir gegen die Anderen“ fördert, – eine stringente Ausrichtung auf die Bildung des Wir-Gefühls im Sinne eines Respekts vor der Menschenwürde, die immer auf den Anderen und weniger auf sich selbst bedacht wird. Weniger gutmenschliche unverbindliche Floskeln, weniger Bevormundung der Immigranten und Gerede über migrantische Hintergründe, mehr Selbstverpflichtung der Arbeitgeber. Klare Grenzsetzung, aber auch klare Maßnahmen gegen Diskriminierung. Wer arbeiten will und kann, soll es auch tun können. Wer seine Steuern zahlt, darf zu Hause oder im Verein seine Kultur pflegen.

Wir brauchen Politiker, die sagen, was sie meinen. Die tun, was sie sagen. Die das Charisma der Überzeugung, Denkschärfe, Glaubwürdigkeit und eindeutige Position mitbringen. Wobei ich erwähnen möchte, dass sich gerade die Jüdische Gemeinde nicht klagen kann. Es gibt aber das Leben auch außerhalb des polizeilich streng bewachten Zauns, nicht wahr?

Lehrjahre der postmodernen Literatur

Auch ich mag gute Krimis. Es war mir eine Freude, am 24.10.2010 im "Weser Kurier" ein neues Buch dieser Art vorzustellen, und zwar unter dem Titel "Der kriminalistische Bruder von Alice im Wunderland":

Mit seinem ersten Roman macht Jedediah Berry sehr wohl auf sich aufmerksam. Ein lesenswerter Krimi, und nicht nur ein Krimi. Berry ist ein fantasievoller Erzähler, man fühlt sich wie ein gerne träumendes Kind bei einer aufregenden Gutenachtgeschichte. Seine Belesenheit zeigt sich in vielen Affinitäten, die allesamt zueinander passen und gut gemischt sind. Der Held („a bicyclist and an umbrellist Unwin“) trägt einerseits einige sympathische Züge des Autors und ist andererseits gleichermaßen ein verspielter K. unter den dunklen Zwängen der Bürokratie und ein erwachsener Bruder von Alice, der in Wonderland-ähnlichen Abenteuern unerschütterlich den richtigen Weg findet. Das Magische eines Borges und das Spielerische eines Calvino mischen sich mit dem Bizarren eines Dahl und dem Atmosphärischen eines Dürrenmatt, alles unter dem großen Zeichen von Philip K. Dick und mit Dank an Chesterton.

Ist das Resultat eklektisch? Keinesfalls, eher eine Literatur über die Literatur, aber nicht nur dies. Die stimmungsvolle (wenn auch im Vergleich zum Original etwas langatmige) Übersetzung von Judith Schwaab vermittelt ein Gefühl des Mitwissens, des Mitdabeiseins und Mitträumens. Zu den literarischen Allusionen kommen noch viele Comic-Elemente, und von denen ist es nicht mehr weit bis zu der Film-noir-Atmosphäre der Batman-Reihe. Insbesondere die fatale Gegenüberstellung der mächtigen Agentur und der Zirkus-Karneval-Welt ist wiederzuerkennen. Geheimnisvolle Frauen und die markige Figur des Detektivs Travis Sivart (ein Palyndrom!) entstammen nicht nur Chandlers Verfilmungen („The Big Sleep“), sondern auch „Sin City“. Echoes von „8 ½“, „Brazil“, „Matrix“, „The Ghost Dog“ schimmern durch wie auch eine wahrlich unvorhergesehene Nähe zu dem erst in diesem Jahr erschienenen Film „Inception“. Gerade zu Christopher Nolan ist die Verwandtschaft besonders frappierend und zeugt von dem Zugriff der beiden Autoren auf den Zeitgeist. Was ist das Gemeinsame hier, wenn man die zahlreichen Anlehnungen und Ähnlichkeiten beiseite legt?

Eine enorme Angst vor Veränderungen, denen wir uns nicht entziehen können, die Angst, vor der wir nicht einmal in unseren Träumen in Ruhe gelassen werden. Berry lässt uns das wissen: „Irgendwo in den düsteren Winkeln der Nacht wird die Welt zum Trümmerhaufen, und wir vertrauen darauf, dass eine kleine Glocke alles wieder richten kann“. Er gibt die Hoffnung nicht auf und lässt seinen Helden am Ende des Romans verkünden: „Ich habe Angst, aber ich fühle mich auch lebendig und hellwach“. Der Erstling Berrys ist ein viel versprechender Anfang. Der zweite Roman ist in Arbeit und widmet sich „postapokalyptischen Abenteuern einer ‚Alice im Wonderland’“. Vielleicht etwas selbständiger und stringenter? Wir sind gespannt!
Jedediah Berry
Handbuch für Detektive
Verlag C.H. Beck
381 Seiten
19,95 Euro

Gruß von übermorgen

Am 12.7.2010 in der "Frankfurter Rundschau" ist ein bedeutender Artikel von Hans-Klaus Jungheinrich mit dem Titel "Gruß von vorgestern" erschienen. Seine Gedanken über die Interpretation von Musik machten mich streitlustig. Im "Weser Kurier" durfte ich die Gegenposition zur Sprache bringen, und zwar am 30.9.2010, unter dem Titel "Alles eine Frage der Auslegung. Widerstreit der Lesarten: Warum es in der Musik keine verbindliche Interpretation geben kann":

Der Streit um die „richtige“ Musikinterpretation ist keinesfalls nur eine Frage des Geschmacks. Klar: Die Musik, die man und frau zu wichtiger Stunde des Lebens gehört hat, prägt sich fest ein und wird zum eigenen Maß der musikalischen Dinge. Genauso oft bleibt die erste angehörte Aufnahme einer Komposition die Messlatte für den Abgleich.

Nur: Auf die Weise verwechseln wir eine partielle, oft zufällig entstandene Meinung mit erarbeitetem Wissen. Denn auch über die Musikinterpretation lässt sich streiten. Und das geht so:

Im Zeitalter der technischen (bisweilen digitalen) Reproduktion verfügen wir über Dutzende Aufnahmen von fast jedem Meisterwerk, die zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Ländern entstanden sind. Sie dokumentieren sowohl kulturelle Besonderheiten als auch den Stil ihrer Zeit.

So ist der Musikliebhaber im Meer unzähliger Medienträger zunächst einmal verloren, umsomehr als dass die Industrie jede neue Ausgabe mit Werbung als das non plus ultra anpreist. Wie kann man sich helfen?

Nur durch Vergleich, indem man hineinhört und in sich geht. Das funktioniert ganz einfach. Man nehme einen markanten Satz einer klassisch-romantischen Symphonie und hole sich mindestens fünf würdige Aufnahmen. Man spiele sie sich nacheinander vor. Normalerweise kommt man nicht so schnell aus dem Staunen heraus, so stark sind die Variationen.

Daraus entstehen mehrere Fragen. Gibt es eine einzige richtige Interpretation? Sind die restlichen falsch? Warum gab es noch vor 60 Jahren so große individuelle Unterschiede und heute nur geringe? Warum gefällt heute die eine Interpretation besser und morgen eine andere? Der Reihe nach.

Zum Beispiel Bruckner. Man ist sich einig, seine Musik versinnbildlicht den klingenden Kosmos. Aber auch dieses Bild lässt sich unterschiedlich deuten. Ist sein Kosmos unbeweglich majestätisch? Oder verwandelt er sich in langsamen Wellen? Organisiert sich in immerwährenden Kreisen oder in mehrdimensionalen Steigerungen? Ist er statisch oder dynamisch? In sich ruhend oder dem Höchsten entgegen ausgerichtet? Und wenn statisch, darf er zumindest atmen oder soll nur wie ein Riesenkristall wirken? Hier teilen sich die Geister. Große Dirigenten haben ihre Lesarten brucknerscher Kosmologie angeboten. Extrem langsame Tempi von Sergiu Celibidache suggerieren das Monumentale des Alls, mehr oder weniger perfektionierte Statik herrscht bei Günter Wand, wohingegen die ruhige Atmung des Ewigen bei Herbert Karajan im Vordergrund steht. Alle drei streben zur Einheitlichkeit im Tempo, nur erreichen sie ein jeweils anderes Bild und wecken verschiedene Assoziationen. Die geschichtliche Nähe Bruckners zu Wagner wird hier außer acht gelassen, und was den oft angesprochenen „teutonischen“ Eindruck betrifft, so ist die gelungenste Aufnahme dieser Art nicht deutscher, sondern russischer Herkunft, und zwar von Evgeni Svetlanov. Kann denn ein Russe die deutsche und dazu noch erzkatholische Seele erfassen? Muss man allerdings überhaupt deutsch und katholisch sein, um die Musik eines gebürtigen Österreichers zu treffen?

Das war aber noch nicht alles. Eugen Jochum hat fast zeitgleich mit Karajan gewirkt. Beide meinten das Sakrale, erreichten das entsprechende Ziel aber unterschiedlich. Jochum hatte eine wellenförmige, pulsierende Vorstellung vom Atem des Universums. Eine unmerkliche Steigerung der Geschwindigkeit in den langen Flächen neben den Ruhezonen zeigt: Jochum dachte in großen Dimensionen, in denen der tönenden Architektonik. Ist die in sich ruhende Plastizität Karajans gegen die exstatische Dramatik Jochums auszuspielen? – Nein, ich möchte auf keine von beiden verzichten.

Dass man damit auch übertreiben kann, zeigte Hans Knappertsbusch. In heutigen Typologien der Dirigenten möchte man auf seine manchmal peinliche Affektiertheit verzichten. Trotzdem war Knappertsbuschs bedeutungsschwangeres Pathos nicht bloß „teutonisch“ und „manipulierend“, er war eher ein „komisches“ Gegenstück zur genialen Darstellung des dramatischen Willens, wie es Wilhelm Furtwängler pflegte. Die Tradition der ausdrucksfähigen Tempogestaltung war da, um die Geburt der Musik aus dem Geiste hier und jetzt zu präsentieren, es war immer einmalig und es wirkt auch heute noch so, leider mehr in Aufnahmen und kaum noch im Konzert. Unterm Strich bedeutet das, dass absolut daneben gelaufene Interpretationen daran erkannt werden können, dass sie einen Zuhörer gleichgültig lassen.

Die Gründe dafür sind zahlreich, darunter der Perfektionismuswahn im Selbstverständnis einer zunehmend mehr und mehr demokratischen Orchesterkultur. Allerdings waren auch Konzertaufnahmen eines Willem Mengelberg perfekter als die Studioaufnahmen Wands oder Thielemanns. Als genauso subjektiv könnte man auch die historische Wahrheit der neuesten musealen Trends bezeichnen, denn treu dem Buchstaben vernachlässigen sie meist den Geist des Originals.

Es geht hier wohl weniger um den ewigen Streit über Wagner und Beethoven als angebliche Antipoden in der Aufführungstradition der deutschen Musik als vielmehr um eine subjektive Annäherung an den objektivierten Inhalt der Autorenaussage. Wie Bruckners Symphonien, lässt sich jedes Meisterwerk erschließen. Um mit nur noch einem Beispiel abzurunden: Was für eine Freude ist es, sich von der Binsenwahrheit einer „Unvollendeten“ zu verabschieden und zu erkennen, dass sie vollendet ist! Denn man liest immer noch oft die Frage, wie es wohl passieren konnte, dass Schubert nur zwei Sätze zustande brachte. Erst beim vergleichenden Hören lässt sich die Vollkommenheit der Komposition erahnen, wenn Dirigenten den Proporz zwischen den Elementen aufs Neue suchen und meinen. Mehr sogar, je individueller die Lösung, desto überzeugender das Konzept. Denn Musik ist eine Kunst und will menschliche Unterschiede vermitteln. Es gibt keine einzig wahre Interpretation, weil kein Mensch dem anderen gleicht. Mit anderen Worten: Wir verständigen uns durch Musik erfolgreich, nur weil und wenn wir unterschiedlich sind.

25. Juni 2010

Der Fehler, den Arnold Schönberg zuließ

„Pierrot lunaire“ gehört zu den berühmtesten Werken der Musikgeschichte. Seit der erfolgreichen Premiere 1912 wird der Zyklus überall und immer wieder gespielt, inzwischen lassen sich die Aufnahmen zu Dutzenden aufzählen, Rezeption und Analyse weisen eine stattliche Geschichte auf. Man könnte denken, wir wissen genug über dieses Werk, über seine atonale Sprache, über seine Position als Meilenstein in Bezug auf den Sprechgesang, über seine Rolle in der Neuen Musik.
Trotzdem entsteht oft die Frage, wie man den Sprechgesang verstehen soll - auch wenn das Vorwort Schönbergs zur „Pierrot“-Ausgabe vermeintlich alles erklärt. Da greift man gerne zur autorisierten Aufnahme, die unter der Betreuung Schönbergs 1940 entstand. Und wenn wir diese Aufnahme genauer betrachten, entdecken wir doch ein größeres Problem, welches nicht einfach von der Hand zu weisen ist: Die Sängerin singt ganz andere Töne - ungefähr eine Quarte bis Sexte tiefer als notiert, und dazu noch im engeren Ambitus. Nehmen wir ein Beispiel, einige Fragmente aus dem Lied „Der kranke Mond“:
Notenbeispiel 1
Klangbeispiel 1:

Notenbeispiel 2

Klangbeispiel 2:

Notenbeispiel 3
Klangbeispiel 3:
Intervalle, die zwischen der Stimme und der Flöte entstehen, entsprechen nicht der Notation. Die Rezitation folgt den Kurven, der Zeichnung, der Ausrichtung, aber versteht die Notation fast nur als Anregung zum Melodram (in einem engen Begriffsverständnis). Wie konnte der Komponist das zulassen?
Die Sängerin heißt Erika Stiedry-Wagner, sie hat den „Pierrot“ seit Anfang der 20er Jahre mehrfach gesungen, ihr guter Ruf ist unangefochten. Der Pianist Eduard Steuermann - ein getreuer Schüler Schönbergs - bereitete die Aufnahme 1940 genauso akribisch vor wie 1912 die Uraufführung. Über Albertine Zehme, für die das Werk geschrieben wurde, schrieb dieser: „Sie war eine intelligente und künstlerische Frau, aber von Beruf Schauspielerin und nur so musikalisch wie die gut erzogenen deutschen Damen dieser Zeit.“ Zehme galt als Diseuse, ihr Handwerk war das Rezitieren und nicht das Singen (nach Noten). Wir können annehmen, dass die Diskrepanz zwischen Notation und hörbarem Resultat in der Aufnahme von 1940 auf die Tradition des Kabaretts und die Kompromissbereitschaft Schönbergs zurückgeht. Die Frage bleibt, warum war dieser Kompromiss notwendig? Es ist anzunehmen, dass es alternativlos war. Schönberg machte sich allerdings auch keine Illusionen. In einem unveröffentlichten Brief vom 25. Dezember 1941 an Erwin Stein, einem Schüler und Freund, einem Musiker und Musikwissenschaftler, der seinerzeit „Pierrot“ mit Erika Stiedry-Wagner einstudierte, bewertete er die Aufnahme nüchtern: „They are to a great part quite good, though Mrs. Stiedry is never in pitch and several pieces are not very well recorded.“ (zit. nach Byron/Pasdzierny oder Soder). Der ursprüngliche Auftrag Schönbergs war nun einmal, eine deutsche Kabarett-Tradition zu rezipieren und nicht das Kunstlied. Albertine Zehme wie Erika Stiedry-Wagner waren offensichtlich nicht in der Lage, die gewünschten Töne genau zu treffen - der natürliche Umfang ihrer Stimmen erlaubte den ungezwungenen Sprechgesang im tieferen Tonumfang als vom Komponisten vorgeschrieben. Davon ausgehend, dass die Möglichkeiten der Sängerinnen eine natürliche Grenze bildeten, sollten wir einen Blick in die weiteren Aufnahmen werfen - in der Erwartung einer besseren Realisierung.
Mit der folgenden sehr wohl anerkannten und bekannten Aufnahme, die Pierre Boulez betreut hat, verhält es sich aber nicht anders. Hier das Klangbeispiel mit Helga Pilarczik (1962):
Klangbeispiel 4:

Klangbeispiel 5:

Klangbeispiel 6:

Man bekommt das Gefühl, dass die Vorbereitung im engen Hörkontakt zu der vorigen Aufnahme bestand. Offensichtlich enttäuscht von diesem Resultat unterzog Boulez nicht seine Interpretation, sondern das Werk selbst, und zwar ein Jahr später im Programmartikel „Sprechen, Singen, Spielen“ (1963) einer prinzipiellen Kritik. Boulez erkennt die Verwurzelung des Werkes in „kabarettistischen Pflichtzölle[n]“ (S.126), empfindet die Aufnahme von 1940 aber als „schrecklich altmodisch“ (S. 127). Die Notation Schönbergs sei ein „Irrtum“ (S. 128): „Das Werk liegt gleichermaßen zu hoch wie zu tief“ (S. 128). Boulez fühlt sich zu der luziden „Koketterie mit dem schlechten Geschmack“ „wenig hingezogen“ (S. 131). Schon im berühmten Artikel von 1952 erklärte Boulez Schönberg für tot, da dieser seine kompositionstechnische Revolution nicht konsequent genug durchgeführt habe. Im Jahre 1977 folgte die zweite Aufnahme, die Boulez betreut hat, - diesmal mit Yvonne Minton:
Klangbeispiel 7:

Klangbeispiel 8:

Klangbeispiel 9:


Diesmal stimmen alle Töne auf einmal genau, die Rezitation weicht dem Gesang - im offenen Widerspruch zur oben zitierten Analyse von Boulez aus dem Jahr 1963. Boulez muss sich entscheiden und er setzt nun auf Genauigkeit. Die Intervalle stimmen - das Kabarett muss zurücktreten. Ähnlich verhält es sich auch in der dritten Aufnahme mit Boulez (1998) - die Solistin ist Christine Schäfer:
Klangbeispiel 10:

Klangbeispiel 11:

Klangbeispiel 12:

Auf diese Weise hat Boulez eine neue Aufführungstradition erschaffen: Aus dem Sprechgesang entsteht Gesang, aus dem Kabarett Kunstlied. Schönbergs Weg und Stil werden der Auffassung Boulez’ angepasst, Schönberg wird überwunden, „Pierrot“ wird zum Vorgänger für „Marteau sans maître“.
Um so überraschender ist es, dass fast zeitgleich zu dieser letztgenannten Aufnahme eine andere entsteht, die eine Art Synthese beider Methoden darstellt, mit der Sängerin Sonja Bergamasco (Contempoartensemble unter Leitung von Mauro Ceccanti, 1997):
Klangbeispiel 13:

Klangbeispiel 14:

Klangbeispiel 15:


Eine höhere, aber auch umfangreichere Stimme erlaubt der Sängerin nicht nur genau zu intonieren, sondern auch gleichzeitig zu rezitieren. Das ist es also, so war es gemeint! Ein „schwarzes Kabarett“, wie von Boulez beschrieben (S. 130), jedoch bis zu diesem Zeitpunkt nie verwirklicht. Sarkastisch, voll bitterer Selbstironie und musikalisch perfekt eingebunden. Aber auch vor 30 Jahren entstand eine perfekte Aufnahme dieser Art, mit Jan DeGaetani (ein Ensemble unter der Leitung von Arthur Weisberg, 1970):
Klangbeispiel 16:

Klangbeispiel 17:

Klangbeispiel 18:

Ebenfalls genau intoniert und präzise eingebunden, aber mit einem anderen Charakter, mehr lyrisch, eher nach innen gewandt, voller Selbstmitleid, eine andere Facette Pierrots. Es ist also möglich, im Rahmen des wiederentdeckten Stils auch unterschiedlich zu interpretieren, ohne auf das Rezitieren oder aufs Singen zu verzichten. Fast ein Jahrhundert nach der Uraufführung haben Sängerinnen und Musiker es bewiesen und dabei auch die Beweisführung der eigenmächtigen Theorie zerschlagen, die Boulez Jahrzehnte lang aufgebaut hat. Die Kabarett-Tradition wurde gerettet und der Weg zum „Marteau sans maître“, der von Pierrot sicherlich ausgeht, muss den Pierrot selbst nicht darunter begraben. Seine Eigenständigkeit besteht in der einzigartigen Synthese der Stilelemente, in der Position zwischen den Zeiten und nicht nur in der Vorbereitung der Avantgarde der 60er. Für Schönberg steht seine Komposition viel mehr im Kontext seiner Wiener Jahre, durchaus eine Hommage an eigene künstlerische Wurzeln. Man vergleiche nur seine frühere Komposition auf dem Gebiet des Chansons „Der Nachtwandler“ (1901), hier in der Aufnahme mit Jessy Norman, begleitet von einem Ensemble unter der Leitung von James Levine (2005):
Klangbeispiel 19:

Ist das nur Gesang? Oder doch auch Rezitation? Die Sängerin spielt mit der Tradition des Kabaretts, auch wenn kein Sprechgesang vorgesehen ist.
War der Fehler, den Arnold Schönberg in der Aufnahme von 1940 zulassen musste, unvermeidbar? Zu seiner Zeit sicher ja, jedoch heute nicht mehr. Im Meer unzähliger Aufnahmen erscheinen weiterhin solche, die nur auf das Rezitieren oder nur auf reinen Gesang setzen. Es gibt aber auch zumindest die beiden hier hervorgehobenen Aufnahmen - mit Jan DeGaetani und Sonja Bergamasco, welche das Gegenteil beweisen. So wird die Aufführungsgeschichte zum unzertrennlichen Teil der Kompositionsgeschichte und der Selbsterkenntnis der Neuen Musik. Das Werk kann man unmöglich verstehen ohne seine Rezeption und ohne die Interpretation durch Künstler einzubeziehen. Allzumenschlich? Warum nicht? Ist denn die Musikgeschichte nur eine Geschichte des musikalischen Objekts?

Diskographie (nach Wayne Shoaf):
Stiedry-Wagner 1940: CBS MPK 45695 mono ADD (1989) CD
Pilarczyk 1961: Adès 202912 stereo AAD (1985?) CD
DeGaetani 1970: Nonesuch 9 79237-2 stereo AAD (1990) CD
Minton 1977: Sony Classical SMK 48466 stereo ADD (1993) CD
Bergamasco 1997: Arts 47389-2 stereo DDD (1998) CD
Schäfer 1997: Deutsche Grammophon 457 630-2 GH stereo DDD (1998) CD
Norman 1990: Philips B0005512-02 PM2 stereo DDD (2005) 2 CD
Zitate:
Boulez P., Werkstatt-Texte, FfM 1972
Soder A. L., Arnold Schoenberg’s Pierrot lunaire: A study of Sprechstimme and vocal performance praxis through sound recording. Houston 2006
Byron A., Pasdzierny M., Sprechstimme reconsidered once again: 'though Mrs. Stiedry is never in pitch’. Music Theory Online, 2007, vol.13, number 2, June 2007

12. Februar 2010

Für das NPD-Verbot

Am 10.2.2010 beteiligte ich mich an der Podiumsdiskussion zum Thema NPD-Verbot, die von der Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen veranstaltet wurde. Im Vorfeld sowie im Hintergrund gab es Irritationen, so möchte ich meine Sicht der Diskussion hier wiedergeben.

Nach der Diskussion glaube ich, dass Unterstellungen, die davor gesät wurden, fehl am Platze sind. Ralf Altenhof, Leiter der Bremer Abteilung, hat für das Thema vier Diskutanten gefunden, jeder von uns hat eine klare Meinung mitgebracht und trat gegeneinander mit Argumenten vor. Ich glaube, eine Diskussion dieser Art bringt auch etwas. Es soll nicht gleich eine Demo sein, oder anders formuliert, neben einer Blokadetaktik soll man auch diskutieren, warum man immer wieder dort landet, wo man angefangen hat, warum Demonstrationen und Blokaden weiter aufeinander folgen.

Es ist immer dasselbe, in den Diskussionen zum Thema sind sich alle schnell klar: Die NPD ist rechtsextrem, antidemokratisch, verfassungswidrig, das weiß jeder. Nicht so klar ist es mit der Frage nach dem Verbot, und sie wird immer wieder gestellt. Dabei wähnt sich jede Seite im Besitz der Mehrheitsmeinung. Das soll heißen, wer für das Verbot der NPD auftritt, meint, hinter ihm stehe die überwiegende Mehrheit. Ein Gegner des Verbots ist sich dagegen sicher, dass es kaum möglich ist, eine von seiner abweichende Meinung zu vertreten. Die Argumente pro et contra sind seit langem bekannt, die Positionen festgefahren. Wozu überhaupt diskutieren?

Es ist viel mehr ein (zweifelhafter) intellektueller Genuss, miteinander zu streiten, nach neuen Argumenten zu suchen, die ihrerseits nach den sofort folgenden Widerlegungen wieder weiter geschärft werden können. Der Motor ist hier offensichtlich der eigens aus Chemnitz eingeladene Eckhard Jesse, dessen Extremismus-Theorie bei der Bundesregierung so gut ankommt. Er kennt sich in der Materie gut aus, weiß mit dem Auditorium umzugehen, weiß, welche Argumente wann aufzufahren sind.
In Bremen hat er kein Wort über seine Extremismus-Theorie verloren und bot kaum Flanke für die Auseinandersetzung damit (aktuelle lesenwerte Beiträge dazu siehe hier und hier). Er sei sogar mit den üblichen und bekannten Argumenten für das Verbot einverstanden und habe nichts dagegen, er sei auch für die „streitbare Demokratie“ und prinzipiell auch für das Instrument „Parteiverbot“. Er wolle aber neue Argumente gerade in die Debatte einbringen, die viel überzeugender seien: Liberalität und Effizienz. In etwa:

Wir leben in einer freien Gesellschaft, das ist doch keine „Schön-Wetter-Demokratie“ mehr. Man soll den Ideologen der NPD nicht glauben, wenn diese behaupten, sie seien stark. Nein, sie sind ganz schwach. Nach Gesprächen mit Horst Mahler ist Jesse davon überzeugt, mehr als je. Wir sollten deswegen keine Jakobiner mehr sein und unsere Intoleranz zügeln: Die NPD wäre demzufolge zu ertragen.
Außerdem werde durch jegliches Verbot einer rechtsextremen Organisation das aggressive Potenzial freigesetzt. Aus den verbotenen Gruppen kommt ein Zulauf, der radikaler, gewalttätiger ist, was der NPD-Kader auf keinen Fall vertreten wolle. Hier setzte auch Wilhelm Hinners (CDU Bremen) ein, der von 30.000 militanten Rechtsextremen sprach, von denen er nicht weiß, wie man sie von der Straße wegbekommt. Hinners zitierte hier auch Uwe Barkes - über die Schwierigkeit, militante Schichten zu erreichen.


Das sind „neue“ Argumente. Einerseits sind wir so freidemokratisch und liberal, dass wir alles erdulden können. Andererseits kümmern wir uns um die Effizienz und wollen es vermeiden, dass 30000 Militante auf einmal auf der Straße stehen.

Aus meiner Sicht halten diese Argumente nicht durch: Sie schließen einander vielmehr aus. Entweder haben wir eine starke gefestigte Demokratie, ohne geschichtliche Lasten, ohne Leichen im Keller sozusagen, und dann brauchen wir keine Angst vor 6500 angekündigten Rechtsextremen in Dresden am 13.2.2010 zu haben. Oder wir machen uns Sorgen um eine vergleichsweise junge Demokratie und haben Angst vor gewalttätigen Rechtsextremen auf der Straße. Das Eine schließt das Andere aus.

Ich bin mir sicher, beim nächsten Auftritt wird Eckhard Jesse neue Argumente aufrollen. Ich ordne die Extremismus-Theorie dem Spektrum der neurechten Ideologie zu und bedauere es sehr, dass es in der Diskussion unmöglich war, darauf einzugehen.

Unterm Strich wurde mir sehr deutlich, dass die wichtigsten Argumente für das NPD-Verbot sehr schnell vom Tisch geräumt werden. Viel zu schnell.

Ich benenne hier nur zwei, die in den Medien auffallend wenig präsent sind.

1. Die NPD erhält die staatlichen Subventionen. Pastor Friedrich Scherrer zitierte vom Podium, dass sie allein in Jahren 2002 bis 2007 4,7 Mio Euro kassierte. Meine Ergänzung dazu: Die NPD Thüringen weiß 2009 ganz genau:
„Ab dem nächsten Jahr wird die NPD mehr als doppelt so hohe Einnahmen aus der staatlichen Parteifinanzierung erhalten wie bisher“.

Das darf in der deutschen Demokratie nicht sein.

2. Der sogenannte Verfahrensfehler, warum der Prozess gegen die NPD nicht stattfinden durfte, ist ein Missverständnis (oder ein Betrug der Öffentlichkeit, je nachdem wie man das nimmt). Die V-Leute, die ausgemacht wurden, sind keine agents provocateurs oder Doppelagenten, sondern NPD-Kaderleute, die hin und wieder beim Verfassungsschutz für einen kleinen Obolus plaudern. Dass die Richter es nicht verstehen wollten oder konnten, ist kein gutes Zeichen für unsere Demokratie.

Ich möchte nun noch am Rande erwähnen, dass Ralf Altenhof die Diskussion gut moderiert hat, was angesichts der Publikation in der TAZ kein leichtes Unternehmen war und weil er selbst eine klare Meinung dazu hat, die der von Hinners und Jesse nahe kommt. Ehrlich gesagt, habe ich nach dieser unfreiwilligen TAZ-Werbung mehr Publikum erwartet. Hier gilt wiederum, was ich schon zu Anfang meinte: Das Thema ist alt und Meinungen sind fest. Es ist bitter, dass es bei Gesprächen wie dieser Diskussion bleibt. Es trägt zur Politikverdrossenheit bei. Das sehe ich als Zeichen der strukturellen Schwäche unserer Demokratie und bleibe bei der Forderung, die NPD zu verbieten.
UPDATE: Eine Fotoserie von Peter Jülich, passend zum Thema.

7. November 2009

Zwischen den Zeilen von Hanna Arendt

Schon zweimal stolperte ich über die seltsame Annäherung der Texte von Hanna Arendt an antisemitische Gemeinplätze. Heute sehe ich, dass ich nicht der einzige bin, dem das aufgefallen ist:

The Evil of Banality
Troubling new revelations about Arendt and Heidegger.


Darin analysiert Ron Rosenbaum die aktuelle Literatur zum Thema und geht etwas weiter. Zum Beispiel so:
In a long, carefully documented essay, Wasserstein (who's now at the University of Chicago), cites Arendt's scandalous use of quotes from anti-Semitic and Nazi "authorities" on Jews in her Totalitarianism book.

Wasserstein concludes that her use of these sources was "more than a methodological error: it was symptomatic of a perverse world-view contaminated by over-exposure to the discourse of collective contempt and stigmatization that formed the object of her study"—that object being anti-Semitism. In other words, he contends, Arendt internalized the values of the anti-Semitic literature she read in her study of anti-Semitism, at least to a certain extent.

Für Arendt-Fans und Arendt-Preisträger bestimmt lesenwert.

1. September 2009

Zwei Blicke auf die Zukunft des Internets

Fast zu gleicher Zeit sind zwei Texte zugänglich geworden, die in ihrer Intention so ziemlich gegensätzlich sind. Peter Glaser hat sich über die "Atomisierung" des Informationsflusses im Web gewundert (Link). Marc Cuban hat die sich anbahnende weitere Beschleunigung in der Datenvermittlung bewundert (Link).

Der erste sieht die Lage pessimistisch und mahnt seine Leser, doch etwas dagegen zu tun, da sonst alles zerfalle. Er sammelt in seinem eigenen Blog übrigens jeden Tag Beispiele dieser Atomisierung. Der andere freut sich über die berauschende Beschleunigung und macht auf den Zugewinn aufmerksam, auch wenn seine Kommentatoren darauf hinweisen, dass einiges nicht so ganz neu ist (was die Sache selbst nicht in Frage stellt).

Beide haben etwas beobachtet, was tatsächlich da ist, nur unterschiedlich bewertet, aus unterschiedlicher Perspektive. Menschlich. Man könnte glatt daraus einen philosophischen Artikel kreiieren. Wenn nur die Zeit dafür da wäre...

Hier also nur ganz kurz:
Nicht die Sammlung oder Synthese der digitalisierten Fragmente ist auf der Tagesordnung, denke ich, sondern die Kompensation der enormen Beschleunigung. Wir können mit der Menge der Information umgehen, auch wenn sie so gewaltig ist. Diese zu sortieren, ist zwar schwer, ist aber möglich. Wir tun uns schwer, mit der ständigen und dazu noch schneller werdenden Veränderung unserer Umgebung fertig zu werden. Wenn auf der einen Seite von etwas zu viel ist, soll es möglich sein, auf der anderen Seite Zeit stehen zu lassen, sich zurückziehen zu können. Nur im Ausgleich wäre die Anpassung, weil nach dem Web 2.0 sehr wohl Web 3.0 kommt, das ist nicht zu stoppen.

Noch zu erwähnen wäre hier, dass auf den zweiten Artikel mehrere Kommentare gekommen sind, die zumeist kritisch sind und viel zur Diskussion beitragen. Auf den ersten Artikel kommen nur Twitter-Meldungen, allesamt positiv, obwohl die Position Glasers - zumindest aus meiner Sicht - nicht weniger kritisch zu kommentieren ist.